Seit seiner Gründung im Jahr 1956 beschäftigt sich der Studienkreis mit allen Fragen des Presserechts und der Wahrung der verfassungsrechtlich verbürgten Pressefreiheit. Seine Aktivitäten spiegeln die Geschichte des Presserechts von der jungen Bundesrepublik bis zum modernen, von der Konvergenz der Medien geprägten Medienrecht heutiger Zeit wider.

Der Gründer des Studienkreises, Professor Dr. Martin Löffler (1905 - 1987), hatte bei der Arbeit an seinem in erster Auflage 1955 erschienenen Kommentar feststellen müssen, dass grundlegende Fragen des Presserechts wie etwa die Weitergeltung des Reichspressgesetzes von 1874 umstritten waren. Martin Löffler sah darin die Gefahr, dass die Schwäche des Presserechts zu einer Schwächung der Pressefreiheit, insbesondere in der Auseinandersetzung mit staatlichen und politischen Kräften, führen könnte. Dies veranlasste ihn, einen Kreis von anerkannten Wissenschaftlern und von Praktikern aus dem Pressebereich zusammenzuführen.1 Ihre Aufgabe sollte es sein, im Rahmen regelmäßiger Tagungen die Grundlagen des Presserechts und der Pressefreiheit so klarzustellen, dass allen Versuchen, in dieses Grundrecht einzugreifen, entgegengetreten werden konnte.

Bereits anlässlich der 1. Arbeitstagung befasste sich der Studienkreis mit dem Thema Pressebeschlagnahme. Thema der 4. Tagung war das Zeugnisverweigerungsrecht der Presse. Die 5. Tagung befasste sich mit dem Thema Persönlichkeits- und Ehrenschutz. Themen, die mit anderen Facetten bis heute und heute wieder verstärkt Bedeutung haben. Das Ziel, grundsätzliche Positionen aufzuzeigen und Anregungen für eine Weiterentwicklung des Medienrechts zu geben, blieben stets im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussionen im Studienkreis. Die weit über einhundert Tagungen des Studienkreises bestätigen eindruckvoll, wie er von der jungen Republik bis heute die Entwicklung des Presserechts zu einem modernen Medienrecht begleitet hat. Dies spiegelt sich auch in der Größe des Studienkreises wieder: aus den etwa 10 Wissenschaftlern der Gründungszeit wurde bis heute ein Kreis von mehr als 300 Mitgliedern und Freunden.2

Martin Löffler führte den Studienkreis bis zu seinem Tode am 04. Februar 1987. Noch im November 1986 überraschte er die Mitglieder und Freunde mit einer Festgabe zur 60. Tagung. Darin äußerte er die Hoffnung, dass "bei ständig wachsender Bedeutung des Medienrechts die bei aller Gegensätzlichkeit der Auffassungen erstaunliche Geschlossenheit unseres Studienkreises auch in Zukunft erhalten bleibt".

Dieser Stil und Geist prägen die Debatten im Studienkreis bis heute. Auch in der Kontroverse ist die Achtung vor dem Meinungsgegner nie verloren gegangen, das gemeinsame Fundament nicht aus dem Blickfeld geraten. Dies ist Verdienst der Teilnehmer und insbesondere des Nachfolgers von Martin Löffler, Professor Dr. Karl Egbert Wenzel (1930 - 1998).

Neu hervortretende Probleme etwa aufgrund der technischen Entwicklung werden auch zukünftig für genügend Diskussionsstoff sorgen. Dabei will der Studienkreis auch in Zukunft als Diskussionsforum der Medienrechtswissenschaft wichtige Anregungen geben und als Plattform für neue Ideen dienen. Dies im Sinne des Auftrages seines Gründers, die verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit der Medien zu schützen und daraus die notwendigen Folgerungen für das Medienrecht zu ziehen.


Emanuel H. Burkhardt

 

1Gründungsmitglieder waren: Prof. Dr. Bettermann, Berlin; Chefredakteur Dr. Cron, Stuttgart; Prof. Dr. Dovifat, Berlin; Dr. Jänecke, Bonn-Bad Godesberg; Bundesanwalt Dr. Kohlhaas, Karlsruhe; Prof. Dr. Neumann-Duesberg, Wilhelmshaven-Rüstersiel; Prof. Dr. Schüle, Tübingen

2Teilnahme und Mitgliedschaft sind beschränkt und nur aufgrund persönlicher Einladung möglich.

 




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Studienkreis für Presserecht und Pressefreiheit e.V.